Auflieger mit Vollausstattung für Schulungszwecke

Das sind Aufträge, die das Herz jedes Verkäufers höher schlagen lassen: Ein nagelneuer Mercedes Actros sollte für Schulungszwecke von uns mit allem ausgestattet werden, was das „Ladungssicherungsherz“ begehrt.
Ein guter Anlass, um mit dem Auftraggeber Markus Gödde, dem Geschäftsführer des Ausbildungszentrums für Berufskraftfahrer – MobilitätsCoaching Gödde GmbH über Ladungssicherung und neue Seminarkonzepte zu sprechen.

Dolezych: Herr Gödde, dass Ladungssicherung für Sie eine Herzensangelegenheit ist, merkt jeder, der Sie über dieses Thema sprechen hört. Woher kommt diese Begeisterung?

Gödde: Ich habe als DVR-Lkwund Bus-Sicherheitstrainer und seit 1997 als Lkw- und Bus-Fahrlehrer immer schon Berührungspunkte mit dem Thema gehabt. Als ich dann als einer der Ersten mit der Stempel-Nummer 30 die Ausbildung und Prüfung durch den VDI absolvierte, hat sich mir allerdings eine „neue Welt“ eröffnet. Ich durfte erleben, wie vielfältig und komplex dieses Wissensgebiet ist. Von rechtlichen Rahmenbedingungen, physikalischen Gesetzmäßigkeiten, Wissenswertem zu Fahrzeugaufbauten, Zurrpunkten und Ladungssicherungs-Hilfsmitteln hatte ich vorher in dieser Tiefe noch nichts gehört. Das Wissen um die korrekte Ladungssicherung ist so vielfältig wie es unterschiedliche Ladegüter gibt. Seitdem habe ich mich intensiv mit der Ladungssicherung beschäftigt und sie hat mich bis heute nicht mehr losgelassen.

Dolezych: Mangelnde Ladungssicherung wird in Kontrollen immer wieder festgestellt und regelmäßig als Unfallursache ausgemacht. Wo liegt aus Ihrer Sicht Verbesserungsbedarf?

Gödde: In der Regel sind die Ursachen multikausal: Das Fahrzeug ist für den Transport oder auch z.B. für das Umschlaggerät nicht geeignet, es gibt Defizite beim Ladungssicherungsmaterial oder es wurde einfach nicht berücksichtigt, dass Ladungssicherung auch Zeit benötigt. In einigen Fällen sind schon die Rahmenbedingungen für den Fahrer so ungünstig, dass er eigentlich den Transport ablehnen müsste. Das ist der Grund, warum wir zunächst eine Sensibilisierung der Verantwortlichen in Fuhrparkmanagement und Disposition, aber auch auf Seiten der Verlader anstreben. In der Organisation liegt in der Regel viel Verbesserungspotenzial. Wenn zum Beispiel nur Zurrgurte mit einheitlicher Dehnung beschafft wird, macht das die Ladungssicherung insgesamt auch sicherer.

Dolezych: Wie können Sie Ihre Kunden denn dabei ganz konkret unterstützen?

Gödde: Sich richtig zu verhalten, erfordert bei allen Beteiligten Know-How. Wir dürfen aber nicht nur die Probleme benennen, sondern müssen Lösungen anbieten. Eine Lösung verdient ihren Namen aber nur dann, wenn sie im Arbeitsalltag und nicht nur unter Laborbedingungen umsetzbar ist. Ich verstehe den Frust vieler Geschäftsführer, die ihre Mitarbeiter auf Schulungen schicken und als Ergebnis häufig nur feststellen können, dass zwar ein großes Zertifikat, aber kein Erkenntnisgewinn mitgebracht wurde.

Dolezych: Welchen Umfang sollten Ladungssicherungs-Schulungen Ihrer Meinung nach haben?

Gödde: Die häufig unterschiedlichen Situationen hinsichtlich der Ladungssicherung korrekt bewerten zu können, verlangt ein grundsätzliches Verständnis darüber, was da auf der Ladefläche eigentlich passiert. Deshalb empfehlen wir zunächst ein zweitägiges Ladungssicherungs-Seminar mit dem Ausbildungsnachweis Ladungssicherung (VDI 2700a). Damit werden zugleich die Vorgaben aus Blatt 5 der VDI 2700 erfüllt, die diese Schulung zu Beginn und in der Folge alle 3 Jahre vorsehen. Die Verzahnung von Theorie und Praxis ermöglicht einen optimalen Einstieg in das Thema. Idealerweise werden diese Seminare rechtskonform in die vorgeschriebene 35-stündige Weiterbildung integriert. Apropos Rechtssicherheit: Dieses Thema ist für Fuhrparkverantwortliche seit Anfang dieses Jahres noch einmal wichtiger, denn den benannten Verkehrsleitern droht bei LaSi-Verstößen im Gefahrgutbereich durch die VO (EU) 2016/403 noch stärker als bisher die Aberkennung der geforderten Zuverlässigkeit.

Dolezych: Können Sie zum Abschluss noch einen Ausblick wagen, wie sich die Seminarkonzepte entwickeln werden?

Gödde: Eigentlich sind wir schon mittendrin im LaSi-Seminar 2.0. Die meisten Experten sind sich einig, dass der Wissenstransfer durch selbstständiges Erarbeiten am effektivsten funktioniert. Gute Schulungen finden heute praxisnah am Fahrzeug / Lkw statt. In Gruppenarbeit diskutieren die Seminarteilnehmer die Ladungssicherung selbstständig und führen sie dann auch durch. Wechselseitig werden die Zurrmethoden bewertet und die Ergebnisse durch Fahrversuche überprüft.

Dolezych: Vielen Dank für dieses Gespräch.

Das Gespräch führte Walter Eckstein.